Über das Projekt
Im Jahr 2022 bekam die Alexander Gruner Stiftung ein großes Wohnhaus mit Garten in Bremen-Gröpelingen geschenkt. Es ist das ehemalige Elternhaus des Zustifters Bernd Bosse. Im Schenkungsvertrag hat Herr Bosse verfügt, dass die Immobilie zukünftig hilfsbedürftigen Kindern und Familien aus dem Stadtteil zugute kommen soll. Wir haben dafür gemeinsam eine fabelhafte Lösung gefunden - und einen Namen: "Bosses Garten".
Aus der Zustiftung wurde ein Projekt. Nach einer sehr langen Planungsphase mit vielen Behörden und Beteiligten und mancher glücklichen Fügung wird seit Januar 2025 nun endlich gebaut. Zum Ende des Jahres 2025 wird in der Goosestraße der neue Standort für das "Kita-Einstiegshaus" mit Familien-Beratungszentrum eröffnet. Träger der Einrichtung ist der Bremer Verein Quirl Kinderhäuser e.V..
Der Umbau des Beratungszentrums im 1. OG wurde übrigens aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie gefördert. Der Ertrag aus der zukünftigen Vermietung der Immobilie fließt in die gemeinnützigen Projekte der AGS zurück. Eine Win-Win-Geschichte - oder auch: Impact-Investing, was alle Beteiligten sehr glücklich macht.
Bosses Garten - ein Ort mit langer (Familien-)Geschichte
Für Bernd Bosse, Jahrgang 1959, ist sein Elternhaus mit vielen Erinnerungen behaftet. Er stammt aus einer Familie einstiger Großbauern, die schon im 16. Jahrhundert Land im Bremer Westen bewirtschafteten. Sein Vater baute auf den geerbten Grundstücken große Wohnanlagen und mehrte geschickt das Familienvermögen. Herr Bosse jedoch entschied sich früh einen anderen, einen eigenen Weg zu gehen.
Er studierte zunächst Medizin, arbeitete dann viele Jahre als Krankenpfleger in Berlin, bis er wegen eigener Erkrankungen arbeitsunfähig wurde. Wenn man weiß, dass Bernd Bosse bis heute ganz bescheiden in einer Mietwohnung im vierten Stock ohne Fahrstuhl in Berlin-Neukölln wohnt, bekommt seine großzügige Schenkung noch eine weitere Dimension.
"Das Haus meiner Familie soll jetzt anderen Familien in diesem Stadtteil zugute kommen. Hilfsbedürftige gibt es hier viele."
Sein soziales Denken ist in Bernd Bosse vielleicht besonders ausgeprägt, weil er als Sproß einer wohlhabenden Familie mitten im Arbeiterviertel aufgewachsen ist. Eine Kindheit geprägt von krassen Gegensätzen. Seine Eltern bauten im Garten ein eigenes Schwimmbad, im Keller gab es eine Sauna und eine vollausgestattete Kellerbar, die nach Bernd Bosses Erinnerung häufig für Feste genutzt wurde.
Doch die meisten Menschen in Bremen-Gröpelingen haben - damals wie heute - nur ein kleines Haushaltsbudget. Über 40 Prozent der Familien, die im Stadtteil leben, sind zugewandert. In den Gröpelinger Kitas hat demzufolge ein großer Teil der Kinder eine andere Muttersprache als Deutsch. Diese Kinder profitieren ganz besonders vom Kita-Besuch. Sie lernen dort nicht nur sicheres Deutsch, sondern entdecken auch eigene Talente und starten mit besserem Selbstbewusstsein und Sozialverhalten in die Schule.
"Bosses Garten" soll mit dem Kita-Einstiegshaus auch jene Familien im Stadtteil erreichen, die mit dem Konzept eines Kindergartens nicht vertraut sind und ihre Kinder zuhause betreuen würden. Auch Kinder mit körperlichen Einschränkungen oder Entwicklungsverzögerungen, die in großen Gruppen der regulären Kitas überfordert wären, dürfen hier einen sanften Einstieg ins frühkindliche Spielen und Lernen erfahren. Eltern sind in den Spielgruppen übrigens ausdrücklich erlaubt.
Die Familienberatung in der oberen Etage von "Bosses Garten" wird die Familien erzieherisch begleiten und Mütter und Väter über Sprach-, Kultur- und Bildungsangebote im Stadtteil informieren oder bei Behördengängen unterstützen.