Über das Projekt
Ohne die unglaublich mutige und hartnäckige Nonne Dr. Sister Felista Tangi würde es die Gewaltfreie und Inklusive St. Therese Secondary School in Tansania sicher nicht geben. Die Pädagogin promovierte 2018 an der Universität Vechta zum Thema "Negative Auswirkungen von Gewalt an Schulen". Noch im gleichen Jahr begann sie mit dem Aufbau einer Schule in ihrer Heimat, wo Schülerinnen und Schüler angstfrei und ohne Androhung von Gewalt lernen dürfen.
Moderne Pädagogik statt Züchtigungen
Die Angst vor dem "Stick" ist ein ständiger Begleiter fast aller Schulkinder in Tansania. An den meisten staatlichen und kirchlich geführten Schulen des Landes sind Züchtigungen ein Teil des Unterrichts. Körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt durch Lehrerinnen und Lehrer wird staatlich kaum sanktioniert. Gleiches gilt übrigens auch für Übergriffe innerhalb der Schülerschaft.
Die gewaltvollen Erfahrungen, die vor allem Mädchen und junge Frauen im Unterricht, auf dem Schulgelände oder dem Schulweg erleiden, sind eine Hauptursache für viele Schulabbrüche, urteilt Dr. Tangi. Ihre Heimatprovinz Mwanza hat mit 9.000 Schulabbrüchen in der Sekundarstufe jährlich sogar die höchste Quote.
Die Statuten ihrer neugegründeten St. Therese Secondary School orientieren sich an den universalen Kinder- und Menschenrechten. Körperliche Strafen oder psychische Misshandlungen sind streng verboten und auch jeder sexuelle Übergriff soll sofort geahndet werden. Noch dazu sind besonders Kinder aus ärmeren Familien, Kinder mit Erkrankungen wie Albinimus oder Behinderungen willkommen, die an regulären Schulen nur schwer einen Bildungsweg finden.
Seit 2020 ist die Schule staatlich anerkannt. Sie bietet auch Internatsplätze an für jene Schülerinnen, die einen besonders langen oder gefährlichen Schulweg haben. 2023 waren 369 Schüler:innen an der Schule eingeschrieben.
Ein Leuchtturmprojekt, das ausstrahlen will
Dr. Tangi hat eine weitere Mission: Sie arbeitet an einer modernen Ausbildung der tansanischen Lehrkräfte und regelmäßigen verpflichtenden Fortbildungen.
Als Dozentin an der St. Augustine University in Mwanza bildet sie dort angehende Lehrkräfte aus und verbreitet in ihren Seminaren das Konzept ihrer gewaltfreien Schule und die Akzeptanz einer modernen Form des Unterrichts ohne Strafen.
Der Erfolg der St. Therese Secondary School gibt ihr längst recht. Die High School gehört schon wenige Jahre nach ihrer Gründung gemäß den nationalen Rankings zu den erfolgreichsten und angesehensten Bildungseinrichtungen des Landes. 2025 findet sich die Schule auf Platz 203 der über 5000 Schulen in Tansania wieder.
Dr. Tangi und Ihr Team arbeiten jetzt daran, ihr pädagogisches Programm an anderen Schulen in der Provinz Mwanza vorzustellen und diese dafür zu begeistern. Außerdem soll das Schutzprogramm für besonders gefährdete Kinder und Jugendliche ausgebaut werden, vor allem für Schülerinnen und Schüler mit Albinismus.
Die Alexander Gruner Stiftung hat den Bau der Einfriedung des Schulgeländes im Jahr 2025 mitfinanziert.